Amateurfunk

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Anfang des letzten Semesters habe ich entdeckt, dass an meiner Uni ein Kurs “Amateurfunk. Ein Lehrgangsseminar von Studierenden für Studierende” angeboten wird. Ich hatte bereits während des Abiturs die Idee mit Amateurfunk zu starten, leider gab es bei mir in der Nähe keine wirklich aktiven Ortsverbände, welche ich hätte, besuchen können sollte ich Fragen beim Lernen haben. Hinzu kam, dass die notwendige Amateurfunkprüfung nur in bestimmten Städten (Amateurfunkprüfungen / Prüfungsbescheinigungen / Prüfungstermine > Prüfungsstandorte) angeboten wird und die nächstgelegene Prüfungsstelle ein gutes Stück entfernt lag. Doch nun, da meine Uni einen Kurs anbot und ich somit eine Gruppe hatte, an welche ich mich bei Fragen wenden konnte, wurde mein Interesse wieder geweckt. Außerdem war der nächste Prüfungsort nicht mehr so weit entfernt. Tatsächlich konnte die Gruppe meiner Uni die Bundesnetzagentur (BNetzA) dazu bringen eine extra Prüfung in der Stadt der Uni anzubieten. Ein Ort an dem die BNetzA normalerweise keine Prüfungen anbietet. Da ich mich zu diesem Zeitpunkt auch bereits mein Bachelorstudium abgeschlossen hatte traute ich mir auch zu die größte der drei Amateurfunkklassen (A) zu machen.

Doch bevor ich darauf näher eingehe möchte ich zunächst etwas allgemeiner darauf eingehen, was Amateurfunk überhaupt ist, was man als Funkamateur macht und welche Vorteile man mit einer Amateurfunklizenz hat.

Was ist Amateurfunk

Der Deutschen Amateur-Radio-Club schreibt dazu:

Der Amateurfunk ist ein Hobby, das einem ermöglicht, mit gleichgesinnten Menschen, unabhängig der Hautfarbe, der Religion, der Staatsform, der Denkensweise und teilweise sogar unabhängig von der Sprache, auf der ganzen Welt per Funk in Kontakt zu treten.

Im Amateurfunk geht es also darum mit anderen Funkamateuren über Funk in Kontakt zu treten. Was genau besprochen wird, ist nicht festgeschrieben, aber am einfachsten sind natürlich gemeinsame Hobbies. Oder wie ich es an anderer Stelle einmal gelesen habe: “Amateurfunk ist ein Hobby welches Menschen nutzen, um sich mit anderen Menschen über dieses Hobby zu unterhalten”. Leider weiß ich nicht mehr wo ich diesen Spruch gelesen habe.

Aber wie wird man nun Funkamateur und was darf man wann, als Funkamateur?

Um Funkamateur zu werden, muss man in Deutschland zuerst ein “Amateurfunkzeugnis” erhalten. Mit diesem kann man anschließend einen “Antrag zur Teilnahme am Amateurfunkdienst” bei der BNetzA stellen und bekommt ein persönliches Rufzeichen zugewiesen. Mit diesem Rufzeichen ist es dann möglich unter den Einschränkungen der jeweiligen Zeugnisklasse und des Amateurfunkgesetzes selbst auf Sendung zu gehen.

Amateurfunk-Klassen

In Deutschland gibt es drei Zeugnisklassen: N, E und A. Diese unterscheiden sich neben den erlaubten Bändern, auf denen man Senden darf, auch in der maximal erlaubten Leistung mit der gesendet werden darf (Amateurfunkverordnung AFuV Anlage 1). Die Prüfung unterscheidet sich nur in dem Bereich “Technische Kenntnisse”.

Klasse “Betriebliche Kenntnisse” “Kenntnisse von Vorschriften” “Technische Kenntnisse N” “Technische Kenntnisse E” “Technische Kenntnisse A”
N X X X
E X X X X
A X X X X X

Es ist auch möglich von einer Klasse zur nächsten zu wechseln. In diesem Fall muss man dann nur den fehlenden Technikteil ablegen.

Warum Amateurfunk?

Aber warum sollte man nun Funkamateur werden?

Diese Antwort lässt sich recht kurz halten: “Interesse”. Wie bei jedem anderen Hobby auch wird, man Funkamateur deshalb, weil man Spaß an dem Hobby hat. Da diese Antwort allein natürlich nicht weiter hilft, um sich zu entscheiden, Liste ich hier einmal ein paar Dinge auf welche das Hobby für mich persönlich interessant machen. Falls die ein oder andere Sache auch für dich Interessant klingt, kannst du es dir ja einmal genauer überlegen, ob Amateurfunk vielleicht auch etwas für dich ist.

Interesse an Technik

Als Funkamateur darf man seine eigenen Funkgeräte bauen und benutzen, wenn man Interesse an Technik hat, ist dies eine gute Möglichkeit auch etwas anspruchsvollere Schaltungen zu bauen und diese auch benutzen zu dürfen. Es ist eine super Chance mit Funktechnik zu experimentieren und für die besonders interessierten auch eigene Schaltungen zu entwerfen und ausprobieren zu können.

(Weltweite)-Kommunikation mit anderen Funkamateuren

Ein weiterer toller Aspekt dieses Hobbies ist, dass man je nach technischen und atmosphärischen Gegebenheiten um die ganze Welt funken kann. Dabei lernt man andere Funkamateure kennen und je nach gegenüber kann man sich mal länger, mal kürzer unterhalten und etwas über die andere Person erfahren. Auch habe ich, nur als Zuhörer (da ich zu diesem Zeitpunkt noch keine Zulassung hatte), Funkrunden mehrerer Funkamateure mitgehört die sich regelmäßig verabreden und sich dann miteinander über alles Mögliche unterhalten.

Hilfe in Katastrophenfällen

Amateurfunk bietet die Möglichkeit bei Not- und Katastrophenfällen zu unterstützen. Das Amateurfunkgesetz schreibt dazu:

Im Sinne dieses Gesetzes ist […] [der] Amateurfunkdienst ein Funkdienst […] zur Unterstützung von Hilfsaktionen in Not- und Katastrophenfällen […]".

So können Funkamateure ohne die übliche Kommunikationsinfrastruktur wie z.B. Handymasten kommunizieren und bei richtiger Vorbereitung auch ohne auf das örtliche Stromnetz angewiesen zu sein. Besonders hilfreich und gegebenenfalls auch lebensrettend kann das bei größeren Stromausfällen, wo auch der Notruf betroffen ist, sein.

Einfache Technik

Worüber ich mich ebenfalls bei Amateurfunk freue ist, dass man auch mit technisch einfachen Mitteln viel erreichen kann. Für CW (Morse) oder AM Signale lassen sich bereits mit wenigen Bauteilen Demodulatoren bauen. Zudem ist die Kommunikation im Amateurfunk, bis auf wenige Ausnahmen, über eine direkte Verbindung ohne Zwischenstationen möglich. Im Vergleich dazu wird ein Paket im Internet meist über eine Handvoll Zwischenstationen geleitet bis es seinen Zielort erreicht. Jede Zwischenstation erhöht entsprechend das Risiko, dass etwas schiefgeht. Im Amateurfunk gibt es zwar auch Repeater oder auch ganze Repeaternetzwerke, jedoch funktioniert die Technik hinter Repeatern im Amateurfunk ganz anders als Router im Internet.

Während Router im Internet Entscheidungen über den weiteren Weg eines Pakets treffen müssen und eine Fehlkonfiguration dazu führen kann, dass Pakete nicht an ihr Ziel kommen, verstärken Repeater im Amateurfunk einfach nur ein empfangenes Funksignal und senden es wieder aus. Die Komplexität und damit die Wahrscheinlichkeit einer Fehlkonfiguration sind aus diesem Grund geringer.

Ich persönlich finde es schön, in einer Welt in der (technische) Dinge immer komplexer werden und immer mehr Feature bekommen, auch ein Hobby zu haben, welches immer noch technisch ist, aber auch zeigt, dass nicht alles nötig ist, was möglich ist. Manche Dinge dürfen simpel bleiben und können trotzdem noch nützlich sein und Spaß machen. Natürlich muss man sich nicht auf die einfachen Dinge beschränken. Auch im Amateurfunk gibt es Themengebiete die kompliziert werden können oder in denen man sich verkünsteln kann. Das schöne ist aber, dass man es nicht muss und das dieses Hobby einem die Möglichkeit bietet sich auch über die einfacheren Möglichkeiten zu freuen.

Weiteres

Falls man eher an Wettkämpfen interessiert ist, gibt es die Möglichkeit an Wettbewerben (Contests) teilzunehmen. Dort geht es darum in dem gegebenen Rahmen (z.B. nur mit geringer Sendeleistung) möglichst viele Gespräche mit anderen Funkamateuren abzuwickeln. Am Ende kann man dadurch auf einer Bestenliste landen.

Eine weitere “Sportart”, die im Gegensatz zu Contests entspannter ist, ist das Sammeln von QSL-Karten. Nach jedem erfolgreichen Gespräch (QSO) zwischen Funkamateuren können sich beide Gesprächspartner sogenannte QSL-Karten zusenden. QSL-Karten sind Postkarten auf welchen Informationen zu diesem Gespräch stehen: Wer mit wem, zu welcher Uhrzeit, mit welcher Empfangsqualität auf welcher Frequenz in einem bestimmten Betriebsmodi kommuniziert hat.

Jetzt will ich auch Funkamateur werden!

Sollte ich dein Interesse geweckt haben und du möchtest jetzt auch mit Amateurfunk anfangen hier die drei Dinge die mir am meisten geholfen haben:

  1. Gruppe suchen

Ich hatte das Glück, dass ich durch den Kurs meiner Uni direkt mit Leuten in Kontakt war, die auf der einen Seite die Prüfung bereits bestanden hatte und Ahnung von den Themen hatten und auf der anderen Seite Menschen, die genau wie ich noch nichts über den Amateurfunk wussten und man sich gegenseitig versuchen konnte zu helfen.

Aber auch falls man keine Uni hat, welche einen Amateurfunkkurs (offen) anbietet, gibt es auf der Seite des DARC eine Liste mit Ortsverbänden, bei denen man vorbeischauen kann und die sicherlich bereit sind zu helfen.

  1. Formelsammlung nutzen

Während der Prüfung bekommt man eine Formelsammlung gestellt. Darin befinden sich neben vielen technischen Formeln auch ein paar Informationen über gesetzliche Rahmen und Bandpläne welche man nicht auswendig zu lernen braucht.

  1. (Karteikarten) Lernen

Der andere Tipp ist, die Dinge auswendig zu lernen die man lernen muss, aber nicht mehr (Tipp 2). Damit meine ich z.B. den Teil “Kenntnisse von Vorschriften”, hier führt kein Weg an auswendig lernen vorbei. Auch wenn viele Fragen mit gesundem Menschenverstand machbar sind, gibt es doch einige gesetzliche Regelungen, die einfach auswendig gelernt werden müssen.

Hierfür habe ich ein Skript geschrieben, welches den Fragenkatalog der Bundesnetzagentur in ein Anki Kartendeck umwandelt, mit welchem man die Antworten dann lernen kann.

Weitere gute Quellen sind:

Schluss

Bist du bereits Funkamateur?
Hast du durch diesen Post jetzt auch Lust bekommen Funkamateur zu werden?
Schreib mir gerne auf Mastodon oder schicke mir eine E-Mail.

Sobald ich mein Funkgerät und ein paar Antennen besitze werde ich auch auf den Funkamateurbändern unterwegs sein. Bis dahin

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