Warum ich selfhosting liebe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Neben diesem Blog, einer Forgejo Instanz und einer Mastodon Instanz hoste ich außerdem noch diverse andere Services. In diesem Blog Post möchte ich zeigen, warum ich es liebe, diese Dienste selber hosten und warum ich andere Menschen auch davon überzeugen will verschiedene Dienste für sich selbst und für Freund und Familie selber zu hosten.
Meine Services
Neben den oben bereits genannten Diensten hoste ich außerdem einen Mumble Server, eine Nextcloud, einen Matrix Server, diverse Matrix Bridges und einen Restic REST Server.
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Mastodon (Link) ist eine dezentrale Mikroblogging Platform. Mastodon ist außerdem föderiert wodurch verschiedene Mastodon-Instanzen untereinander Kurznachrichten austauschen können.
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Matrix (Link) ist “ein offenes Netzwerk für sichere, dezentrale Kommunikation”. Durch die Möglichkeit bestehende Kommunikationskanäle wie Signal und Whats App einzubinden ist Matrix zu einem wichtigen Teil meiner Kommunikation geworden. Auch Matrix ist föderiert wodurch man wie bei E-Mail mit Menschen auf anderen Servern kommunizieren kann.
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Nextcloud (Link) ist genau das, was der Name schon vermuten lässt. Eine Cloud. Auch wenn Nextcloud durch unzählige Plugins auf unterschiedlichste Weisen erweitert werden kann, nutze ich sie hauptsächlich als Datenablage. Meine Geräte synchronisieren Dateien mit der Cloud wodurch ich auf jedem Gerät immer die aktuelle Version einer Datei habe. Möchte ich Dateien mit anderen Menschen teilen, ist das auch über die Cloud möglich. Auch Kalender und Adressbücher lassen sich mit Nextcloud synchronisieren. Nextcloud erlaubt ebenfalls Föderation. So kann man Dateien auf seiner Nextcloud Instanz mit Menschen auf anderen Nextcloudinstanzen teilen.
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Forgejo (Link) ist eine selbst gehostete software forge. Ähnlich wie Github, Gitlab oder Gitea. Mit Forgejo lassen sich git Repositories erstellen und verwalten. Es gibt die von Github bekannten features zum verwalten von Issues, Merge Requests uvm. Mithilfe des Friendly Forge Format (F3) möchte auch Forgejo zusammen mit anderen software forges Föderation anbieten. Nutzer sollen z.B. Issues oder Merge Requests für Repositories anderer Forges erstellen können. Ich hatte leider noch keine Gelegenheit dieses Feature auszuprobieren, weshalb ich nicht mehr darüber sagen kann.
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Mumble (Link) ist ein open source, low latency, high quality voice chat ähnlich wie z.B. TeamSpeak3. Auch wenn es weniger Feature als in Discord gibt, z.B. kein screen sharing (Mumble hat sich auf Voice Chat spezialisiert) braucht der Mumble Client im Vergleich zu Discord wesentlich weniger Resourcen. Im Idle waren es bei meinem Test ca. 105MB während Discord im Idle ca. 914MB braucht. Während eines Calls nutzte Mumble ca. 146MB und Discord 1242MB. Der eigentliche Grund warum ich einen Mumble Server betreibe ist allerdings, dass ich dadurch keine Propritäre Software nutze von Firmen welche die (Meta-)Daten die ich bei Nutzung der Anwendung generiere an Werbenetzwerke oder andere Organisationen verkaufen.
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Restic (Link) ist ein modernes Backupprogram. Restic zeichnet sich durch verschlüsselte Backups und effiziente Speicherung mit Kompression und Deduplikation aus.
Ein Wort der Warnung
So sehr ich das selbst hosten auch mag und versuche andere Menschen davon zu überzeugen bin ich auch der Meinung, dass man offen über die Nachteile sprechen muss die selbst hosten mit sich bringt. Denn nur so kann sich jeder eine umfassende Meinung bilden.
Aus diesem Grund nun hier meine Warnung, was man beachten sollte wenn man mit selbst hosting beginnen möchte.
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Zeit Wie der Name selbst hosten bereits verrät muss man sich selbst um alles kümmern. Von Server Wartung über Updates und Backups ist man für alles selbst verantwortlich und das kostet Zeit. Release Notes durchlesen um zu erfahren ob man bei dem update Konfigurationen anpassen muss, das Einlesen in neue Dienste die man hosten möchte, alles braucht Zeit die man haben sollte wenn man selbst hostet.
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Sicherheit Da man für seine selbst gehosteten Dienste selbst verantwortlich ist, ist man auch selbst für deren Sicherheit verantwortlich. Wenn man jetzt nicht gerade auch noch als Administrator beruflich tätig ist, hat man weniger Zeit sich so umfassend mit allem zu beschäftigen, wie das berufstätige Administratorinnen und Administratoren machen. Aus diesem Grund werden die selbst gehosteten Anwendungen wahrscheinlich nicht das gleiche Sicherheitslevel wie professionell betreute Server erreichen. Allerdings muss man auch erwähnen, dass der selbst gehostete Dienst einer Privatperson für Angreifer wahrscheinlich uninteressanter ist als beispielsweise die Cloud großer Anbieter (Kosten-Nutzen Verhältnis). Außerdem wird die Software die man selbst hostet überwiegend kostenlose Software sein wodurch man häufig auf Free & Opensource Software zurückgreifen wird (das “free” in Opensource steht zwar nicht für Freibier, dennoch ist die kostenlose Software die man selbst hostete oftmals auch FOSS) und somit erhält man alle Vorteile von Opensource Software und dem transparenteren Umgang mit Schwachstellen in diesen Softwareprodukten gegenüber propritärer Software bzw. Diesten.
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Datenverlust Ein weitere Nachteil (der sich Teilweise mit dem vorherigen Punkt überschneidet) ist das Risiko des Datenverlustes. Da man als Privatperson nicht die selben Möglichkeiten hat, Backups zu erstellen und zu lagern, wie große Anbieter (nicht die gleiche Enterprise Hardware, Offsite Backups an verschiedenen Standorten usw.) ist das Risiko eines Datenverlustes gegebenfalls höher als bei großen Anbietern. Das bedeutet nicht, dass man seine Daten nicht mit ähnlicher Sicherheit schützen kann, wie die großen Anbieter, aber es ist mit höherem persönlichem Aufwand verbunden und je nach Maßnahme teurer.
Aber warum selbst hosten?
In der Aufzählung der Dienste lässt sich wahrscheinlich schon ein sich durchziehender Faden erkennen. Für mich persönlich sind insbesondere die folgenden Punkte ausschlaggebend dafür, Dienste selbst zu hosten:
- Lernen
- Föderation
- Dezentralisierung des Internets / Unabhängigkeit von Anbietern
- Kontrolle über eigene Daten
Selbst hosten bietet eine super Gelegenheit zum lernen. Seit ich selbst hoste habe ich viele neue Dinge gelernt. Von dem allgemeinen administrieren von Servern über diverse Tools wie Ansible bis hin zu bestimmten Softwarekomponenten bzw. Protokollen wie LDAP. Das tolle am selbst hosten ist, dass man viel neue Dinge ausprobieren kann. Zwar ist beispielsweise LDAP für die Nutzeranzahl auf meinem Server wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen, aber beim selbst hosten gibt es niemanden, außer vielleicht man selbst, der die Augenbrauen bezüglich des Kosten nutzen Verhältnisses hoch zieht. Davon abgesehen, dass das Wissen welches man dadurch erlangt mit in die Kosten-Nutzenrechnung einfliesen sollte und diese (in meinem Fall) dadurch auch wieder stimmt.
Außerdem trägt man insbesondere durch das hosten von föderierten Diensten dazu bei das Internet, wenn auch nur ein kleines bisschen, dem Einfluss einzelnder Unternehmen zu entziehen. Das Föderieren ist wichtig, da es ermöglicht gemeinsam mit anderen Dienste aufzubauen und zu Nutzen ohne die Kontrolle über diesen Dienst wieder in wenige Hände zu geben. Dadurch werden Monopole verhindert und die Kontrolle bleibt bei der Mehrheit der Teilnehmer.
Durch das selbst hosten dieser Dienste bin ich außerdem unabhängiger von Anbietern wie WhatsApp, Signal oder Twitter/X.
Aber der wichtigste Punkt warum ich Dienste selbst hoste und es weiterempfehle ist die Kontrolle über die eigenen Daten welche man zurückerhält. Besonders durch das selbst hosten von Matrix, Mastodon und Mumble läuft ein Großteil meiner Kommunikation nicht mehr über geschlossene Platformen ab, welche meine Daten sammeln um diese weiter zu verkaufen.
Zusammenfassung
Insgesamt kann ich selbst hosten deshalb sehr Empfehlen. Wenn man es als Hobby betrachtet und Spaß dabei hat neue Dinge zu lernen und Administrator zu spielen ist der zeitliche Aspekt auch nicht mehr so wichtig. Wenn man die Software immer aktuell hält und einen guten Backupplan hat ist auch das Sicherheits- und Datenverlustthema gut in den Griff zu bekommen. Dafür erhält man die Kontrolle über seine Daten zurück und kann durch föderierten Diensten zusammen mit anderen Menschen eine unabhängige und dezentrale Alternative zu zentralen Diensten (die von einigen wenigen Menschen und Firmen kontrolliert werden) schaffen.
Was ist deine Meinung zu selbst hosting?
Hostest du auch Dienste selbst und wenn ja welche?
Schreib mir gerne auf Mastodon oder schicke mir eine E-Mail.